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Svečina, 8. 1. 1928

Die Weinlese fing im vorigen Jahr in unserem Ort noch fürher als wir selber es gewünscht hatten. Dazu haben uns die vielen Gäste aus marburger Garnison gezwungen, die zu uns schon Anfang Oktober gekommen sind, angeblich aus Versehen, weil sie nicht gewusst hätten, dass unsere edlen Trauben noch nicht gelesen wurden in unserem Grenzgebiet. Es gab viel Schießerei, Musik und auch Gesang, auf der anderen Seite aber auch traurige Weinbauer, da ihnen zu dieser Zeit am wenigsten liebe Gäste viel von der edlen Frucht aufgesammelt haben, zwar mit dem Versprechen, den Schaden zu begleichen und dass sie am nächsten Mal nicht mehr so frühzeitigkommen werden, sondern erst, wenn die Ernte schon eingebracht sei.

Die Qualität ist - abgesehen davon, dass das edle Gut so früh unter Schloss und Riegel gebracht werden musste - recht gut. Der Traubenmost von gemischten Sorten beinhaltete nach der Klosterneuburger Mostwaage 18 - 20%, bei besseren Sortenarten 20 - 23% des Zuckers.

In den tiefergelegenen Weinbergen zerstörte der Frühlingsreif am 12. und 14. Mai sogar bis zu 90% der Lese. Der Reif reichte besonders hoch, einen ähnlichen Frost gab es seit 1886 nicht. Schuld daran war der starke Nordwind, der den Nebel wegwehte, weswegen auch jegliche Maßnahmen gegen den Reif erfolglos waren.